Andachten

Alles auf Anfang

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Bild Monoar Rahmen Rony/ pixabay.com

Alles auf Anfang. Zurück bei der Familie. Ein eintöniger Job mit wenig Erfolg. Manche tuscheln hinterm Rücken. Die haben es schon immer gewusst. Wer mit einem Spinner durchs Land zieht, fällt auf die Nase.

Tatsächlich sieht es im letzten Kapitel des Johannesevangeliums so aus, als wenn es Tod und Auferstehung, Untergang und Neubeginn nie gegeben hätte. Haben die vielen Wunder Jesu nicht ausgereicht? Muss jetzt nach Ostern noch ein Wunder her? Fischvermehrung, Staunen, Abendmahl und wieder dieser tragische Petrus. 

Alles auf Anfang. Auferstehung wie in einem nächtlichen Traum. Bilder überlagern sich. Jesus sitzt bereits am Feuer mit Brot und Fischen. Die Jünger ziehen die vollen Netze an Land, doch Essen ist vorher schon genug da. Petrus steht nach seiner Verleugnung nackt da, muss sich anziehen, springt ins Wasser, taucht unter. 

Hier fängt alles neu an. Nach Ostern vermischt sich das alte Leben mit seinen Sorgen ums Auskommen und sich über Wasser halten mit der neuen Wirklichkeit vom ewigen Leben und Gottes neuem Reich. Das konnten die Jünger nicht fassen.

Es kann doch nicht wahr sein, dass einer „für mich“ gestorben ist, nach schlimmen Leiderfahrungen wieder zurück kommt und mit denen Gemeinschaft möchte, die ihn enttäuscht aufgegeben haben.

Wer nach menschlichen Analogien sucht, kommt nicht weit. So sind Menschen nicht, So ist Petrus nicht. Jesus ist viel liebevoller, viel fürsorglicher, als Menschen es damals und heute erwarten. Seine Tischgemeinschaft geht über den Tod hinaus. Sie ist unzerstörbar gültig. 

Alles auf Anfang. Wir kommen erschöpft von der Arbeit. Alles ist doch noch gut geworden. Die Netze sind voll. Zu unserer Überraschung ist der Tisch schon gedeckt und er ist da und isst mit uns. Eigentlich wissen wir sicher, dass er es ist, doch wir trauen uns nicht, ihn zu fragen.

Erst diese neue Begegnung hilft uns aus dem alten Leben heraus. Wir leben nach Ostern und sitzen am gedeckten Tisch. Wenn doch jeder Anfang so schön wäre.

Pastor Kay Oppermann

 

Ohne Ansehen der Person

Es ist eine unserer tiefsten christli-chen Überzeugungen, dass Gott alle Menschen in gleicher Weise liebt und dass wir darum auch aufgerufen sind, alle Menschen in gleicher Weise annehmen und lie-ben zu lernen. Jesus hat gesagt: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.“ (Mk 12,31). Aufgrund die-ser Überzeugung ist z.B. in Artikel 3 des Grundgesetzes verankert worden: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“. Jeder sollte ohne Ansehen der Person behan-delt werden: Ohne Ansehen von Herkunft, Rasse, Religion, Alter und Geschlecht. Und „der Staat … wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“
    Doch wie tief lassen wir diese Überzeugung in das Handeln in unserem Alltag hineinwirken? Gilt es auch für den Familienvater, der unter dem Besprühen von Gif-ten unsere Äpfel erntet oder unse-re Kleider herstellt? Gilt es allen Menschen auf der Welt, die in ihrer Not um ihr Leben zu fürchten? Gilt es allen Asylbewerbern in gleicher Weise? Denen, die schon hier sind und denen, die in einer lebensbe-drohlichen Lage in der Welt sind? Wo sind die Grenzen unserer Überzeugung? Ist menschenver-achtendes Unrecht außerhalb von Deutschland ethisch weniger rele-vant als innerhalb? Endet unsere Grund-überzeugung an der deut-schen Grenze? Oder sollten die Menschen in Afrika die gleichen Rechte haben? Oder sind es nur Grenzen von unseren Möglichkei-ten? Tun wir das uns Mögliche?
    Klar, wir können nicht allen helfen. Aber was ist der Maßstab für die Begrenzung unserer Hilfe? Fangen unsere Möglichkeiten erst dort an, wo unser Haus, der Mer-cedes der Urlaub und die Konzert-besuche bezahlt sind?
    Ich glaube, dass wir bei der Umsetzung dieser Grundüberzeu-gung unseres Glaubens und unse-res Staates noch weit von ihrem Ziel entfernt sind und unser per-sönliches Handeln, unsere Gesetze und Wirtschaftsstrukturen dahin-gehend hinterfragen sollten.
    Daher lade ich Sie ein, in einen neuen offenen Dialog um diesen Grundsatz mit ihren Freun-den und Nachbarn zu treten. Was bedeutet uns der Grundsatz „ohne Ansehen der Person?“ (Pastor Stephan Winter)